Mitgliederbrief Oktober 2010

Überlingen, Oktober 2010

Liebe Mitglieder und Freunde,

Russland wird schöner! Vor genau drei Jahren war ich das letzte Mal in Jaroslawl, und wieder hat die Stadt ihr Gesicht "geliftet" – sie wird immer jünger, heller und heiterer. Die Menschen wirken gelassener, die Gesichter offener, und es ist mir mehrmals das Wunder passiert, dass eine junge Verkäuferin zurücklächelte (wohlgemerkt: eine junge – für die Älteren scheint ein Lächeln immer noch ein Übergriff zu sein, der mit unwirschem Grimm bestraft wird). Der neue Glanz verdankt sich der Tausendjahrfeier der Stadt im August. Manches wird wieder verblassen, manches ist nur Fassadenkosmetik, und manches ist nicht fertig oder gar nicht angefangen worden - aber man kann schließlich nicht alles auf einmal machen.

Anlass zu dieser Reise war der 20ste Geburtstag der WS Jaroslawl. Der Verein WiR ist eng mit dem Wohl und Wehe dieser Schule verbunden, und mehrmals wurde gesagt, dass sie ohne unsere Hilfe die Krisenjahre nicht überlebt hätte. Tatsächlich ist diese Waldorfschule die einzige von fünf Privatschulen, die durchhalten konnte (abgesehen von der russisch-orthodoxen Schule). Wir folgten also der Einladung von Herzen gerne. Wie hinreißend die Russen feiern können, lesen Sie auf dem beiliegenden Blatt, das für die Überlinger Schulmitteilungen geschrieben wurde. Die Schule ist also sehr lebendig, die Schülerzahlen steigen leicht an. Die alten Probleme aber werden wie Mühlsteine weitergeschleppt:

  • das hohe Schulgeld (100 Euro pro Monat bei 300 Euro Durchschnittsverdienst)
  • die dürftige Bezahlung der Lehrer (ca. 250 Euro bei vollem Deputat)
  • die Mieten für drei Lehrerwohnungen
  • das morsche Schulgebäude
  • zwei fehlende Klassenräume
  • die zu geringe Auslastung der Klassen
  • das Damoklesschwert der Kündigung des Mietvertrags

Das Kollegium ist sich dieser Probleme höchst bewusst. Alle sind einig, dass die armselig-dürftige Außenansicht der Schule aufgehübscht werden muß: Ein solider farbiger Verputz würde da schon viel gutmachen. Pro Klasse könnten 20 Kinder aufgenommen werden – es sind aber derzeit nur zwölf oder weniger. Senkung des Schulgeldes (aber wie?) und noch mehr Werbung könnten die Schülerzahl erhöhen. Einen Solidarfonds gibt es schon, aber er kann längst nicht alle bedürftigen Eltern unterstützen. An Ideen fehlt es nicht, es fehlt "nur" am Geld. Unsere Unterstützung ist also weiterhin notwendig und tatsächlich lebenserhaltend. Erfüllt vom fröhlichen Schwung dieser kleinen Schule gehen auch wir wieder mit freudigem Tatendrang an die Arbeit, um unseren WiR-Stand am Basar (27.11.) prächtig und verlockend zu gestalten. Wollen Sie mitwirken?

Haben Sie innigen Dank für Ihre Teilnahme und Mithilfe mit Hand, Herz oder Geld und seien Sie herzlich gegrüßt!

Bärbel Frömter